Change Yourself

Statement

I Am Right Here Right Now

Betrachtungen von Philosoph Finn Janning

„Erkenne dich selbst“, gehört zu den bekanntesten Aphorismen der griechischen Philosophie. Der Aphorismus oder „Spruch“, wie Aristoteles es nannte, war über dem Eingang zum Apollotempel in Delphi eingemeißelt. Die griechische Philosophie wollte, dass sich der Mensch sich selbst zuwendet, in freundlicher Konfrontation mit sich selbst und dem Leben, das ihn umgibt.
„Erkenne dich selbst“ war jedoch nicht der einzige Aphorismus im alten Griechenland. Ein anderer lautet: „Achte auf dich selbst.“
Die beiden Aphorismen sind verbunden. Je besser man auf sich selbst Acht geben kann, umso besser kennt man sich. Und umgekehrt. Die philosophische Praxis besteht aus beidem. Man kann sich nicht besser kennenlernen, ohne auf sich Acht zu geben. Das wiederum zeigt man unter anderem, indem man sich selbst besser kennenlernt, sich beispielsweise zu seinen Begrenzungen und Irrtümern bekennt.
Die beiden Aphorismen machen deutlich, dass Philosophie eine praktische Lebenserkundung ist. Eine Erkundung dessen, was es heißt zu leben. Aus Sicht dieser Tradition ist Philosophie ethisch und spirituell, da der einzelne Mensch, um Selbsteinsicht zu gewinnen, seine Erfahrungen notwendigerweise ernst nehmen muss. Philosophie wird zur ständigen Erprobung der eigenen Existenzmöglichkeiten und Existenzbedingungen. Das Leben wird zum großen Laboratorium.
Genau hier nun taucht der dritte Aphorismus oder das dritte „Stuhlbein“ der Philosophie auf, das „Erkenne dich selbst“ und „Achte auf dich selbst“ im Gleichgewicht hält.
Der dritte Aphorismus lautet: „Kenne deinen Platz.“
Seinen Platz kennen heißt, die eigene Geschichte, aber auch die Geschichte seines Umfelds kennen, heißt beispielsweise wissen, in welcher Zeit man geboren ist, an welchem Ort, in welchem Körper, mit welcher Farbe und welchem Geschlecht. Wenn man seinen Platz kennt, relativiert man auf gewisse Weise das Ideal des auf sich Achtens und des sich Erkennens, da dies immer in einem spezifischen Kontext verankert ist. Das Leben lebt man immer jetzt und hier. In einem Jetzt und Hier, das Fäden zurück und in die Zukunft spinnt, doch auch unterstreicht, dass sich alles Geschehen im Jetzt und Hier vollzieht.
Nur durch deine aufmerksame Gegenwärtigkeit kannst du auf dich achten, dich erproben oder mit dem Leben experimentieren. Es ist ein ständiger Versuch, besser leben zu lernen, das heißt, sich selbst zu erkennen. Dazu ist es nie zu spät, da eine jede Selbstbesinnung immer genau hier und jetzt ansetzt.
Die Lehre daraus ist deshalb ebenso einfach zu ziehen wie schwer zu praktizieren: Wenn du dir nicht bewusst bist, wo du stehst, kannst du nur schwer auf dich selbst achten. Du kannst dich unmöglich selbst besser kennenlernen, wenn du nie gegenwärtig bist.
Diese Arbeit hört nie auf, da du und ich und alle die anderen sich immer wieder verändern. Deshalb werden gewisse Fragen auch nie unmodern:
Wer bist du? Welches Leben möchtest du leben? Wo bist du? Bist du hier?